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  #1  
Alt 06.03.2007, 19:44
delastro (gelöscht)
 
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Lächeln Wichtig - das Recht am eigenen Bild

Bildbände - Menschen

Wer die Bildbände der guten FotografenInnen studiert, sieht fast immer Menschen. Diese Menschen in ihren Situationen machen auch die Größe der Fotos aus. Aber da gibt es in Deutschland etwas, das solche Fotos heute zunehmend erschwert.

Alistair Crawford beschreibt dies in seiner begleitenden Kommentierung des wunderbaren Bildbandes über das Lebenswerk des Fotografen Erich Lessing mit dem Titel "Vom Festhalten der Zeit. Reportagefotografie 1948-1973" so: "Heute regen sich Zweifel, ob eine Privatperson auch tatsächlich Gegenstand einer öffentlich gezeigten Fotografie sein darf. Das Recht auf das eigene Bild wird von Gerichten geklärt und oft wird es als Verletzung der Privatsphäre empfunden, holt man sich ein Stückchen Persönlichkeit, ohne die Erlaubnis des Fotografierten eingeholt zu haben. In den Fünfzigerjahren waren die meisten Menschen mehr als zufrieden damit, Aufmerksamkeit zu erregen und interessant genug zu erscheinen, um von einem Vorübergehenden fotografiert zu werden"(S.25).

Dazu gibt es in Deutschland mittlerweile eine Vielzahl von gesetzlichen Regelungen, deren Bruch im Gefängnis enden kann. Deshalb will ich lieber aufschreiben, was noch erlaubt ist:

Was man noch darf


1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;


2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;


3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;


4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.


Recht am eigenen Bild - keine Voyeure

Detailliert findet sich unter dem Begriff Recht am eigenen Bild ein guter Artikel in der wikipedia. Viele Regelungen sind notwendig geworden, weil sich die Zeit verändert hat. Früher musste man einen Film entwickeln und ein Medium, Magazin oder Fernsehen finden, um einer breiteren Öffentlichkeit seine Bilder vorzustellen.

Heute kann jeder mit seinem Handy Voyeurfotos schiessen und diese sofort im Internet publizieren. Dass dies auch Missbrauch beinhaltet, ist sichtbar. Insofern sind entsprechende Regelungen erforderlich gewesen. Aber man muß natürlich auch umgekehrt feststellen, hätte es diese ausgeprägte Auseinandersetzung früher schon gegeben, dann wären dokumentierende Fotografien, Strassenfotografie, die Fotos "dazwischen" nicht möglich gewesen.

Wenn man den Rahmen hier verläßt und sich insgesamt ein Bild über die veröffentlichte Fotografie macht, dann stellt man fest, dass es fast gar keine Fotos mehr gibt über Verhandlungspausen in der Politik sondern maximal noch die Pressekonferenz am Ende ein Bild mit dem immer wiederkehrenden Lächeln und Händedruck ein Foto wert ist von dem man sich fragt, ob es das wert ist.

Damit zurück zum Thema. Was kann ich also tun, wenn ich dennoch fotografieren will?

Fotografieren mit dem Juristen im Kopf



Ich kann natürlich die Leute einzeln fragen, ob ich sie fotografieren darf, um dies zu veröffentlichen. Dazu sollte ich dann aber schon eine schriftliche Erklärung dabei haben, damit es später keine Rechtsunsicherheit gibt. Ich stelle mir dies gerade vor. Da entwickelt sich eine Szene und ich habe sie zum Schluß im Kasten und dann gehe ich zu den Leuten hin und sage "Guten Tag, ich habe sie eben fotografiert. Ich würde die Fotots gerne veröffentlichen, bitte unterschreiben Sie mir doch die Einverständniserklärung" - Na ja....


Ich kann die Fotos bewußt so bei der Aufnahme verändern, dass die Tiefenschärfe die Situation erfasst und die nicht Betroffenen unscharf läßt.


Ich kann durch die Verschlußzeit das Foto so verändern, dass die Situation erfasst wird aber die Personen individuell nicht identifizierbar sind


Ich kann ganz normal fotografieren und hinterher am PC das Foto so bearbeiten, dass die Personen nicht mehr identifizierbar sind. Wichtig ist dabei, dass die bloße Erstellung von Fotos nicht das Recht nach § 201 StGB verletzt. Dort heisst es, dass man mit einer Geld- oder Freiheitstrafe bestraft wird, wenn man "von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt."


Fotografieren Sie ausserhalb von Deutschland!

Wenn ich länger darüber nachdenke, dann habe ich also durchaus beruhigend viele Möglichkeiten, um im Prinzip so weitermachen zu können wie bisher. Ich muß lediglich darauf achten, dass ich diese Rechte einhalte.

Was kann man sonst noch tun?
Zum Beispiel ausserhalb von Deutschland fotografieren. Wer sich aufmerksam mit den verschiedenen Fotocommunities, flickr, view, fotogemeinschaft etc. beschäftigt, findet dort nach meiner persönlichen Auffassung Unmengen an Fotos, die eigentlich nach den in Deutschland geltenden Gesetzen problematisch sind. Aber sie sind nicht nur gut und interessant sondern auch interessant. Dazu gehören wunderbar schöne Portraitfotos von Menschen unterschiedlichster Kulturen aus Afrika und Asien etc. Dort gelten andere Gesetze bzw. da freuen sich die Menschen noch, wenn sie fotografiert und veröffentlicht werden.

Insofern ist es also immer noch möglich, gute Fotos ohne allzuviel Juristerei zu machen.

Und wie immer im Leben ist auch diese Frage mit Licht und Schatten versehen. So wird mit der Schere im Kopf manches Fotos vielleicht nicht mehr entstehen. Andererseits muss natürlich etwas gegen diese voyeuristische Seuche mit Handyfotos u.ä. geschehen.

Und es gibt natürlich noch andere Aspekte. Ich möchte einmal zwei einfach problematisieren. Sicher gibt es noch viel mehr.

1. Gedankengang
Man nehme einmal flickr. Dort ist jemand Mitglied. Dort veröffentlicht er oder sie seine/ihre Fotos. Dort gibt es Millionen von Fotos. Eine Person muß also erst mal wissen, wo sie suchen muß. Da es so viele Fotos gibt, muss man ja erst mal diejenigen Fotos finden, auf denen eine Privatperson entsprechend abgebildet ist. Diese muss dann schriftlich z.B. von Deutschland aus bei flickr anfragen und die persönlichen Daten erhalten. Hinzu kommt, dass noch unterschieden werden muß, ob sich jemand strafbar gemacht hat, also die Staatsanwaltschaft ermitteln muß oder es sich um einen Privatprozess zwecks Schadensersatz (wie hoch soll der denn sein?) handelt. Dann muß eine entsprechende Klage eingereicht werden. Dies bedeutet, ist eine Rechtsschutzversicherung vorhanden, dann muss die Kostenübernahme geklärt werden. Ist keine Rechtsschutzversicherung vorhanden, müssen zunächst einmal die Anwalts- und evtl. Gerichtskosten selbst getragen werden.

2. Gedankengang
Ich bin auf einer Tanzveranstaltung in einem geschlossenen Raum, um dort zu üben. Dort wird fotografiert, um einige technische Schritte oder Kostüme einzufangen oder weil eine Person gerne Erinnerungsfotos für ihr persönliches Fotoalbum z.b. bei web.de haben will. Diese Fotos werden dann im Internet entsprechend publiziert. Da bin ich aber auch drauf obwohl ich damit nichts zu tun habe.

Nach dieser Problematisierung möchte ich noch auf das wunderbare Buch von Julian J. Rossig mit dem Titel "Fotojournalismus" hinweisen. Rossig hat ein Kapitel zum Thema Alles, was Recht ist und gibt dort Hinweise z.B. zu den Themen implizite und konkludente Zustimmung. Da das Buch so gut ist, sollten sie es lesen. Es ist eine günstige und gute Investition.

Geändert von delastro (06.03.2007 um 19:52 Uhr).
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  #2  
Alt 08.03.2007, 08:18
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delastro.
1000 dank für deinen beitrag !
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  #3  
Alt 08.03.2007, 08:19
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wie ich sehe hast du dich "gelöscht"
schade.
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  #4  
Alt 14.04.2007, 16:41
pide pide ist offline
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Guter Beitrag :-)

Gruss, pide
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  #5  
Alt 15.04.2007, 13:13
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Ich kann dazu auch diesen Link wärmstens empfhehlen:

http://bundesrecht.juris.de/urhg/

LG
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