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VIEWspotlight Februar 2013

Interview

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"Die Herausforderungen sind immer andere."

Gab es einen Moment, in dem Du die Kamera gern dabei gehabt hättest?
Tage, an denen ich ohne Kamera unterwegs bin, bereue ich fast immer. Zu oft ergeben sich interessante Momente, die auch unter fotografischen Aspekten reizvoll sind.

Was macht in Deinen Augen ein gutes Bild aus?
Kommunikation, Wahrnehmung, Emotionen - das sind die Begriffe, die mich jeden Tag begleiten, wenn ich fotografiere oder mir Fotos ansehe. Darum kann ich mich für Bilder begeistern, die den Blick und den Geist des Betrachters fesseln.

Was kann man tun, um als Fotograf den richtigen Moment zu erwischen?
Der richtige Moment ist oftmals eine Verkettung verschiedener Dinge. Man braucht die passende Lichtsituation, die Umgebung muss so sein, wie man sie sich vorstellt, und man muss das Motiv erkennen können, wenn es sich einem zeigt. Letzteres ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man zu sehr motiviert ist oder sich zu viele Bilder im Kopf des Fotografen tummeln. Man sieht dann den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Was würdest Du nie oder nie wieder fotografieren?
Ich habe eine große Abneigung, das Leiden bzw. die Qualen eines Tieres oder eines Menschen zu fotografieren.

Was war Dein ärgerlichstes Erlebnis beim Fotografieren?
Die Kamera dann nicht griffbereit zu haben, wenn sich ein Motiv bietet. Das geschieht leider viel zu oft.

Welche Aufnahmen sind eine besondere Herausforderung für Dich?
Eigentlich alle Aufnahmen, jeden Tag wieder. Denn die Herausforderungen sind immer andere. Mal ist es das Motiv, das ich fotografiere, mal ist es das Umgebungslicht, mal ist es die Technik und ein anderes Mal ist es schwierig, den Bildinhalt vernünftig wahrzunehmen.

Was oder wen würdest Du gern fotografieren, wenn Du einen Wunsch frei hättest?
Ich würde zu gern die Erde vom Mond aus fotografieren oder einen Astronauten auf dem Mond. Die fotografischen Gesetzmäßigkeiten sind dort völlig anders als auf der Erde. Es gibt keine Atmosphäre. Die Lichtverhältnisse, die auf dem Mond herrschen, gibt es auf der Erde nicht. Und es ist der einzige Ort, den ich mit meiner Kamera nicht erreichen kann.

Hattest Du auch unangenehme Erlebnisse während des Fotografierens?

Das kommt darauf an, wie man den Begriff "unangenehm" interpretiert. Irgend etwas passiert beim Fotografieren immer: Ich stolpere über Kabel und Stative, weil ich so sehr auf das Motiv konzentriert bin, oder ich liege bei 5 Grad und strömendem Regen auf der Lauer, weil ich ein bestimmtes Tier fotografieren möchte. Es kann auch sein, dass das Wetter und die daraus entstehenden Lichtverhältnisse nicht zum Motiv passen. Ab und zu verliere ich meinen Presseausweis oder lasse einfach mal wieder die Kamera fallen. Aber all diese Dinge sind überhaupt nicht schlimm. Ganz im Gegenteil, sie sind sehr lehrreich. Darum würde ich sagen, dass mir beim Fotografieren noch nie etwas Unangenehmes passiert ist.

Auf welcher Titelseite würdest Du Dein Bild gerne sehen?
Die Kommunikation zwischen einem Foto und seinem Betrachter finde ich faszinierend. Darum freue ich mich über jede Titelseite, die meinen Fotos die Möglichkeit gibt, genau diese Situation herzustellen.