
"In vorchristlichen und vorislamischen Religionssystemen stand der Faden kulturübergreifend für das Schicksal. Die griechischen Moiren und die norwegischen Nornen gaben dem Dasein eine Form, indem sie den Faden für jedes Leben spannen, ausmaßen und bei der vorherbestimmten Länge abschnitten. Aus diesem Schicksalsfaden wurde dann das Leben des jeweiligen Menschen gewebt."
"In der griechischen Mythologie wird der Ariadnefaden erwähnt, ein Geschenk der Prinzessin Ariadne an Theseus, mit dessen Hilfe der Held wieder aus dem Labyrinth des Minotaurus herausfand."
"Nach langem Kampf kann es schon mal passieren, dass einem beinahe der Geduldsfaden reißt."
"Manchmal sind es winzige Kleinigkeiten - eine Gemeinsamkeit, ein Faden - die zwei Menschen miteinander verbinden oder sich näherkommen lassen."
"Und so nahmen sie ihre von den griechischen Moiren und den norwegischen Nornen gesponnenen Schicksalsfäden und überlegten, wie sie diese in Zukunft miteinander verflechten würden."
"Im übertragenen Sinn wird der Begriff 'roter Faden' seit dem Erscheinen von Goethes Roman 'Die Wahlverwandtschaften' verwendet. Dort beschreibt Goethe den Kennfaden der britischen Marine: 'Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen.'"
"Schon im ersten Buch der Bibel begegnet uns allerdings der rote Faden als Unterscheidungsmerkmal zwischen Zwillingsbrüdern: Bei der Geburt streckte einer die Hand heraus. Die Hebamme griff zu, band einen roten Faden um die Hand und sagte: 'Er ist zuerst herausgekommen.' (Gen 38,28)"
"In Ostasien steht der rote Faden für die schicksalhafte Verbindung zweier Liebender. Er bezeichnet das unsichtbare Band zwischen Menschen, die von vornherein füreinander bestimmt sind. Ein Bild, das an die westliche Idee von der Seelenverwandtschaft erinnert. So webte sich nun der rote Faden zu einem Fadenherz zweier Seelenverwandter ...