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VIEWspotlight November 2012

Interview

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"Ich versuche, keine Traumwelt zu schaffen."

Gab es einen Moment, in dem Du die Kamera gern dabei gehabt hättest?
Es sind vor allem Augenblicke, in denen ich Situationen entdecke, die ich gerne festhalten möchte. Ich versuche, die Kamera so oft es geht dabei zu haben. An einen bestimmten Moment, der mir entgangen ist, kann ich mich aber nicht erinnern.

Was würdest Du nie oder nie wieder fotografieren?
Es gibt grundsätzlich nichts, was ich nicht oder nie wieder fotografieren würde. Sobald mich eine Situation oder ein Motiv interessiert, fotografiere ich es.

Gibt es Fotografen, die Dich inspirieren?
Es gibt etliche junge Fotografen in meinem Umfeld, in Büchern, Magazinen oder dem Internet, die inspirierende Arbeiten hervorbringen. Natürlich sind auch bekanntere Fotografen eine große Inspirationsquelle. Die Street-Bilder von Joel Meyerowitz und Matt Stuart oder die des Kollektives In-Public, einige Magnum-Fotografen wie Martin Parr, Alex Webb, Alex Majoli, Eli Reed, Elliott Erwitt und Paolo Pellegrin begeistern mich immer wieder von Neuem.

Auf welcher Titelseite würdest Du Dein Bild gerne sehen?
Auf der Titelseite des "New Yorker", des Kulturmagazins "DU" oder des "stern". Grund dafür ist, dass die erwähnten Magazine nach wie vor längere und qualitativ hochwertige Reportagen ermöglichen.

Was macht in Deinen Augen ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild muss mich emotional berühren. Ich muss hängenbleiben und es länger betrachten wollen. Dabei stehen technische Aspekte nicht im Vordergrund. Sicherlich muss ein minimaler technischer Standard erfüllt sein, aber viel wichtiger ist mir die Aussage, der Inhalt, die Geschichte im Bild. Auch ein rein ästhetisches Bild kann begeistern. Eine Fotografie mit tieferem Gehalt wie bspw. das berühmte Bild von Nick Ut (das Bild eines neunjährigen Mädchens, das mit Brandspuren übersät vor den Wolken eines Napalm-Angriffes während des Vietnamkrieges flieht) hat aber generell eine prägendere Wirkung auf mich.

Was war Dein ärgerlichstes Erlebnis beim Fotografieren?
Ich hatte deutlich mehr erfreuliche als ärgerliche Erlebnisse in meiner bislang kurzen Zeit als Fotograf. Zu Letzteren zählt sicher dies hier: In Nha Trang, Vietnam, hatte ich auf der Durchfahrt mit dem Bus ein attraktives Fotomotiv (ein Pfahlhaus neben einem verlassenen kolonialen Haus) entdeckt. Ich versuchte mir den restlichen Weg zu merken und nahm mir vor, am folgenden Tag alleine zurückzufahren. Das tat ich dann auch und zwar mit dem Motorrad. Wie es kommen musste, bog ich bei einer Kreuzung falsch ab. Kurz vor Sonnenuntergang musste ich mir eingestehen, dass ich den Ort nicht mehr finden würde. Frustriert fuhr ich zurück nach Nha Trang. Die Fahrt kam mir wie ein gefährlicher Hindernislauf vor: Die Straßen in Vietnam sind selten beleuchtet; links ein Fahrzeug ohne Licht, das aus dem Dunkeln einbiegt; rechts ein Fußgänger, der die Straße überquert, als wäre er allein; hinten ein hupender Lastwagen, der bei Überholmanövern keinen Sicherheitsabstand einhält; vorne Vietnamesen, die Wassermelonen entladen und die Hälfte davon auf der Straße verlieren. Erschöpft erreichte ich unser Hotel in Nha Trang. Am nächsten Tag wollte ich es in den frühen Morgenstunden nochmals mit dem Taxi versuchen. Der Fahrer kannte angeblich die Ortschaft, und als ich die kurvenreiche Küstenstraße erkannte, war ich guten Mutes. Vor Ort fand der Taxifahrer jedoch die genaue Lokalität auch nach mehrfachen Rückfragen bei Dorfbewohnern nicht. Nachträglich erfuhr ich, dass sich der Holzpfahlbau auf einem Militärstützpunkt befand und der Zutritt nicht gestattet war.

Was oder wen würdest Du gern fotografieren, wenn Du einen Wunsch frei hättest?
Wenn ich wählen könnte, würde ich gerne die Machtfiguren der Weltpolitik, den Papst, die Tänzer/innen des Bolschoi-Balletts oder im Kennedy Space Center auf Merritt Island fotografieren.

Wie wichtig ist für Dich das Reisen?
Ich reise sehr gern und sehr viel. Seit Januar bin ich in Australien, Neuseeland und vor allem in Asien unterwegs. Mitte November werde ich in die Schweiz zurückkehren. Für das Jahr 2013 stehen aber bereits neue Unternehmungen auf dem Programm.