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VIEWspotlight Juni 2012

Norbert Becke

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"Ein Leben ohne Reisen kann ich mir nicht vorstellen", sagt Fotograf Norbert Becke. "Neue Länder und fremde Kulturen zu entdecken und diese Eindrücke mit der Kamera festzuhalten, ist eine ganz große Leidenschaft von mir." Becke wurde 1961 in Heidelberg geboren und lebt heute in Neckargemünd. Der Grafikdesigner und Fotograf erzählte uns im Interview von seinen aufregenden Reisen in andere Welten, die er mit der Kamera begleitete. Wie ist Dein Interesse an Fotografie geweckt worden?
Die Fotografie war schon ein wesentlicher Bestandteil meines Grafikdesign-Studiums. Ich war damals viel mit meiner analogen Minolta in den Straßen von Mannheim unterwegs und habe Alltagsszenen fotografiert. Danach habe ich immer viele Stunden in der Dunkelkammer der Fachhochschule verbracht, um das optimale Ergebnis aus den Abzügen herauszukitzeln. Die Streetfotografie und der Kontakt zu den Menschen haben mich schon immer fasziniert und prägen meine Bilder noch heute. Als Designer liegt der Schwerpunkt meiner fotografischen Arbeit allerdings in der Architektur- und Produktfotografie. Denn wann wird schon mal eine Alltagsszene aus Afrika oder Asien in der Werbung benötigt? Was macht in Deinen Augen ein gutes Bild aus?
Eigentlich wollte ich nicht das überstrapazierte Zitat von Cartier-Bresson bemühen, aber es stimmt schon, wenn er sagt, dass jedes Bild ein gutes Bild ist, das man länger als eine Sekunde ansieht. Ich kann das unterschreiben. Ein gutes Bild muss mich zum Staunen bringen oder zum Nachdenken anregen, es muss mich in seiner technischen Ausführung begeistern, durch seine Ästhetik faszinieren oder durch einen gelungenen Bildaufbau beeindrucken. Ein gutes Bild, das ist wie Liebe auf den ersten Blick - völlig unabhängig vom Motiv.

Du bist schon viel gereist. Kommen Deine Bilder zu Dir – oder kommst Du zu den Bildern?

Sowohl, als auch. Meist bin ich gut vorbereitet, wenn ich auf Reisen gehe. Ich lese im Vorfeld viel über das Land und die Menschen; so habe ich immer genaue Vorstellungen von den Zielen und Motiven. Ich komme also zu den Bildern, die ich schon im Hinterkopf habe. Aber wie meist im Leben sind Vorstellungen das eine, die Realität vor Ort aber oft eine andere. Die hält dann doch immer wieder Überraschungen bereit.

In welchen Ländern hat es Dir am besten gefallen?
Diese Liste ist lang. In den letzten Jahren habe ich acht afrikanische Länder bereist, dazu noch Laos, Vietnam und Papua-Neuguinea. Vor einer Reise informiere ich mich intensiv über Land und Leute. Ich reise nur in Länder, die mir in fotografischer Hinsicht neue Impulse versprechen. Ich liebe es, Menschen fremder Kulturen zu porträtieren und bin dafür schon weit gereist. Hervorheben möchte ich die Massai in Tansania, die Menschen der verschiedenen Hmong-Ethnien im Norden Vietnams und natürlich die Ureinwohner Papua-Neuguineas. Im Oktober letzten Jahres war ich bei einem großen Stammestreffen im Hochland von Papua-Neuguinea. Ein intensives Erlebnis, denn ich habe nicht nur drei volle Tage von morgens bis abends auf dem Festgelände verbracht, sondern auch die Nächte - in einer sehr einfachen Unterkunft. Sozusagen mittendrin statt nur dabei.

Welche Aufnahmen sind eine besondere Herausforderung für Dich?

Menschen zu fotografieren, ist immer eine besondere Herausforderung. Meine Aufnahmen entstehen nicht im Studio, sind nicht inszeniert. Sie entstehen aus dem Moment heraus. Ich versuche, die Authentizität zu wahren und den Charakter einzufangen. Immer wieder werde ich gefragt, wie ich es schaffe, dass mir die Menschen ihr Vertrauen schenken und sich porträtieren lassen. Oft ist es nur ein kurzer Augenblick, der entscheidet. Manchmal reicht eine Geste oder ein Lächeln, um das Eis zu brechen. Aber am wichtigsten ist der Respekt, den man seinem Gegenüber entgegenbringt. Man muss die Menschen lieben.

Gibt es etwas, was Du nicht fotografieren möchtest?

Auf Reisen nach Afrika, Asien oder in andere Regionen wird man immer wieder mit menschlichen Tragödien konfrontiert. Kriminalität, Armut, Hunger, Krankheit - all das gehört zur dokumentarischen Fotografie. Man muss es zeigen, um Denkanstöße zu geben und vielleicht etwas zu einer Veränderung beizutragen. Was ich aber niemals fotografieren möchte, ist das Sterben.