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VIEWspotlight März 2011

Kahen Grace

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Bei ihren Selbstportraits legt Kahen Grace wenig Wert auf Regeln, sie fotografiert vor allem aus dem Gefühl heraus. Die 29-Jährige, die sich der Fotografie und dem Design verschrieben hat, wurde in Berlin geboren und lebt derzeit im Bergischen Land. Für das Jahr 2011 hat sie sich nicht wenig vorgenommen. Neben einer Ausstellung in Berlin sind Projekte in Island, Bosnien und Melbourne geplant. Auf den kommenden drei Seiten gewährt uns Kahen Grace einen Einblick in ihr Portfolio und erzählt uns, worauf es bei der Self-Fotografie ankommt. Wann hast Du angefangen, zu fotografieren?
Meine erste Kamera bekam ich 2004. Richtig umgehen konnte ich damit aber erst ab 2006. Vorher habe ich am lebenden Objekt, in dem Fall mir selbst, herumexperimentiert - der Beginn meiner Self-Fotografie. Eigentlich kann ich, technisch gesehen, bis heute nicht wirklich fotografieren. Technik war noch nie meine Stärke. Das war schon beim Klavierspielen so. Man durfte mir nie auf die Finger schauen. Es klang immer so, als hätte ich mit dem richtigen Fingersatz gespielt, dabei habe ich mir beinahe die Hände gebrochen. Letzten Endes sind technische Fertigkeiten also nicht das Entscheidende. Hauptsache, die Kür ist perfekt.

Was macht für Dich ein gutes Aktfoto aus?
Regeln und Richtlinien waren noch nie meine Sache. Sicherlich ist eine gewisse technische Qualität von Vorteil. Wer hat schon Lust, sich eine schlechte Handy-Aufnahme ins Wohnzimmer zu hängen?! Letztlich geht es aber um Ästhetik. Ein gutes Aktfoto schreit mich nicht gleich mit sämtlichen Geschlechtsteilen an.

Ist es einfacher, sich selbst anstelle eines Models zu fotografieren?
Nein, definitiv nicht. Es erscheint zwar auf den ersten Blick einfacher, eine konkrete Idee haargenau umsetzen zu können. Doch in der Realität sieht das meist anders aus. Es erfordert wesentlich mehr Fantasie und Vorstellungsvermögen, sich selbst zu inszenieren. Ein Model kann man platzieren, um es herum gehen, sich von ihm inspirieren lassen. Es entsteht oft etwas, worauf man selbst nie gekommen wäre. Auf der anderen Seite geht man natürlich auch Kompromisse ein, da das Model schwer in den Kopf des Fotografen hineinschauen kann. Außer man ist miteinander verheiratet.

Was inspiriert Dich zu Deinen Fotos?

Phantasie und Sex.

Welche Vor- und Nachteile bietet die Self-Fotografie?
Größter Nachteil: Man muss sich allein bewegen. Man hat niemanden, der einen antreibt, der Druck ausübt. Faulheit ist ein großer Punkt, den man überwinden muss. Der Vorteil: Man kann unendlich experimentieren, ohne sich Gedanken um die Außenwirkung machen zu müssen. Wenn etwas nicht funktioniert: Foto einfach löschen und niemand hat es gesehen.

Auf welche Schwierigkeiten stößt Du bei Deinen Selfs?
Alles auf einmal machen zu müssen. Das Schwierigste ist, um ein Bild zu kämpfen. Das geht eigentlich nicht. Machst Du es noch mal, ist es schon wieder anders. Sich mit sich selbst zu beschäftigen, ist wohl die intensivste und zugleich schwierigste Form der künstlerischen Auseinandersetzung. Dabei kommt es auf die eigene Wahrnehmung an. Wie viele Fotografen verstecken sich hinter ihrer Kamera? Wenn ich sie frage, ob ich sie fotografieren darf, schreien die wenigsten hurra. Sie müssten ja etwas von sich preisgeben. Schwer ist es auch, wirklich objektiv bei der Bildauswahl zu sein. Wie oft kommt es vor, dass die Auswahl des Fotografen und die des Models genau aufeinander treffen? Praktisch nie. In den meisten Fällen beurteilt das Model nur sich selbst, der Fotograf jedoch das gesamte Foto. Es erfordert Mut, sich in einem anderen Licht zu sehen, und dieses Bild dann auch zu akzeptieren.

Auf manchen Deiner Fotos bist Du gefesselt. Wie hast Du das hinbekommen?

Meist fange ich von unten an, die Seile um mich zu legen, und arbeite mich dann nach oben vor. Ein bisschen Fingerfertigkeit und Beweglichkeit muss man schon mitbringen. Eigentlich ist es relativ einfach, dennoch erstaunt es viele, wie ich mich selbst fesseln kann.

Deine Bilder sind oft von einer düsteren Atmosphäre geprägt. Was möchtest Du damit transportieren?
Es geht um Geschichten. Spannung wird in Filmen ja ebenfalls häufig durch eine düstere Atmosphäre erzeugt. Dabei bin ich doch noch eher harmlos. Bei mir läuft kein Blut über das komplette Bild, ich bringe mich nicht um ... Mir geht es lediglich darum, das Auge des Betrachters zu fesseln. Weitere Fotos von Kahen Grace gibt es in der VIEW Fotocommunity unter dem Usernamen Kahen und auf ihrer Homepage.