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VIEWspotlight Januar 2011

Interview

Christian Klepp

"Ich musste lernen, mit Licht zu schreiben."

Christian Klepp kombiniert auf meisterliche Art die Möglichkeiten der Fotografie mit den Erkenntnissen der Geowissenschaft. Der gebürtige Hamburger arbeitet an der dortigen Universität im Bereich der Klimaforschung, ist aber auch an internationalen Projekten beteiligt. Anfang 2011 plant Klepp eine Fototour durchs winterliche Island, im Herbst geht es wieder einmal dorthin, wo für ihn alles begann: in die Alpen.

Wie ist Dein Interesse an Fotografie geweckt worden?
Erste Gehversuche in Sachen Fotografie unternahm ich mit meiner Praktika MTL-5. Zeitgleich entdeckte ich in den österreichischen Alpen meine Liebe zur Natur. Zunehmend interessierte mich dabei der geologische Bau der Alpen. Und so beschloss ich, Meteorologie und Geologie zu studieren, nahm an einer zweimonatigen Winterexpedition zum Nordpol teil und baute eine Chinon CP-5 für den Einsatz bei Temperaturen unter -40°C auf externe Stromversorgung um. Noch nie in meinem Leben fühlte ich mich dem Atem der Natur näher als hier im ewigen Eis. Der Wunsch, solche intensiven Momente festzuhalten, mitzuteilen und zu verstehen, welche Geschichten uns die Landschaften der Erde erzählen, wenn wir ihre Sprache verstehen, war der endgültige Auslöser einen schon lange in mir erwachten Traum zu verwirklichen: Ich musste lernen, mit Licht zu schreiben und die geologische Vergangenheit der Landschaften lebendig werden zu lassen.

Wie wichtig ist heute die digitale Bildbearbeitung?
Vom technischen Standpunkt erklärt nur eine hochwertige RAW-Datei, wie gut ein Foto ist. Photoshop - ich selbst nutze CS2 - hilft dann, das Resultat zu veredeln, ist also ein wichtiges Werkzeug, aber eben auch nicht mehr. Die Leidenschaft, die das Foto ausstrahlt, ist schon vor Ort in die Daten gelegt worden. Bildkomposition und das tagelange Warten auf das richtige Licht - darin liegt das wahre Geheimnis.

Was macht in Deinen Augen ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild besticht durch sein einmaliges Licht, eine gekonnte Bildkomposition, die ins Motiv hineinführt, und seine makellose technische Ausführung. Man muss die Leidenschaft des Fotografen für sein Foto spüren können. Spektakuläre Motive sind dabei zwar hilfreich, aber nicht ausschlaggebend.