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VIEWspotlight November 2010

Weltsicht

Lost in Jumla

Andreas Settje

Canon 5D, EF 17 -40, f4, 1/60s, ISO 1600
Lost in Jumla docas Canon 5D, EF 17 -40, f4, 1/60s, ISO 1600

Die leprakranke Frau sitzt auf einer alten Matratze. Sie hält ihren Säugling im Arm. Andreas Settje hatte nicht damit gerechnet, Patienten in dem baufälligen Krankenhaus anzutreffen. Das Gebäude ist viel zu marode. Doch plötzlich steht der Facharzt für Hand- und Plastische Chirurgie der jungen Mutter gegenüber. Andreas Settje machte das Foto 2006 in Nepal. Der 10-jährige Bürgerkrieg war in dem Land zu dieser Zeit gerade erst beendet. "Das ganze Elend und das durchgemachte Leid spiegelte sich für mich in dem teilnahmslosen Blick der Frau wieder", sagt er. Die Lepraerkrankung der Mutter befand sich erst im Frühstadium und ließ sich medikamentös gut behandeln. Andreas Settje erfuhr, dass eine deutsche Krankenschwester trotz Krieg und Abgeschiedenheit, schon seit Jahren in Neapel lebte und sich rührend um ihre Schützlinge kümmerte, zu denen auch die leprakranke Frau mit ihrem Kind gehörte. "Die einfallende Mittagssonne, die größtenteils in dem dunklen Raum verschluckt wurde, symbolisiert für mich im Nachhinein Hoffnung", erzählt der Facharzt.
Andreas Settje ist in Hamburg geboren und lebt heute in Bad Zwischenahn in Niedersachsen. Neun Jahre lang wohnte er mit seiner Familie in Nepal. Dort baute er ein Krankenhaus für Plastische und Wiederherstellende Chirurgie auf, wo überwiegend Verbrennungsopfer behandelt werden. "Nach der Behandlung entwickeln viele Verbrennungsopfer trotz bleibender Behinderung und Entstellung einen Lebenswillen und eine Lebensfreude, die mich sprachlos und ehrfürchtig machen", erzählt Andreas Settje. "Das hat mein Welt- und Lebensbild nachhaltig beeinflusst."
Unter den Usernamen docas stellt Andreas Settje seit April 2006 seine Fotos in der VIEW Fotocommunity aus.

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