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VIEWspotlight November 2009

Interview

Bogdan Kramliczek

Wie ist Dein Interesse an Fotografie geweckt worden?
Mein Interesse an Fotografie wurde geweckt, als meine Familie noch einen kleinen Bauernhof in Polen hatte. Dort fotografierte mein 19 Jahre älterer Bruder mit einer kleinen Mittelformatkamera. Die Bilder entwickelte er selber. Ich durfte hin und wieder den Auslöser betätigen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er den Apparat in der Hand hielt. Da wollte ich unbedingt meine eigene Kamera. Ich war damals etwa sechs Jahre alt. Nach längerem Betteln habe ich von meinem Bruder dann einen kleinen Fotoapparat russischen Fabrikats bekommen.

Was macht in Deinen Augen ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild ist für mich erst einmal eins, das mich anspricht, einen Reiz hat, Emotionen auslöst. Technische Aspekte wie Schärfe und Kompositionsregeln sind dabei eher nebensächlich. Auch unscharfe Aufnahmen oder Schnappschüsse können tolle Ergebnisse erzielen. Wenn der eine Augenblick erwischt worden ist, der einzigartig und unwiederbringlich erscheint oder in aller Kürze eine ganze (Lebens)Geschichte erzählt, schaue ich mir ein solches Bild gerne mehrmals und länger an.

Gibt es Fotografen, die Dich inspirieren?
In meiner Anfangszeit habe ich Peter Lindbergh sehr verehrt. Seine Model-Fotos waren einerseits inszeniert und haben gleichzeitig eine entwaffnende Natürlichkeit ausgestrahlt. Diesen Spagat hinzubekommen, finde ich klasse. Doch die Fotografie hat sich weiterentwickelt. Oft erhalte ich meine Inspiration auch aus Kinofilmen, durch eine ungewöhnliche Kameraführung und andere Perspektiven.

Welche Vor- und Nachteile hat die selbstständige Arbeit als Fotograf?
Das ist wahrscheinlich nicht anders als in anderen selbstständigen Berufen. Zum einen hat man viele Freiheiten und kann den Beruf ausüben, den man wirklich am liebsten macht. Zum anderen ist man weniger abgesichert als ein Festangestellter. Feste Arbeitszeiten im Fotojournalismus gibt es nicht, da kann es schon passieren, dass der Freundeskreis immer kleiner wird. Doch wenn man seinen Job liebt, kommt die Belohnung nicht zu kurz. Kein Tag gleicht dem anderen.