Perry Kretz
Wenn du als Interviewer über einen Zeitraum von drei Stunden nicht nur die Zeit, sondern auch den Umstand vergisst, dass du eigentlich Raucher bist, dann kann das nur daran liegen, dass dein Gesprächspartner zu der seltenen Sorte Mensch gehört, die tatsächlich etwas zu erzählen hat. Perry Kretz ist so jemand. Der 76jährige blickt auf ein Leben zurück, das an Abenteuern reich ist wie kaum ein anderes.
1933 in Köln geboren, ging Perry Kretz 1950 nach New York und studierte dort Journalismus. Nachdem er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, begann er seine Laufbahn als Fotograf für die New York Post, die Bildagentur Keystone und die New Yorker Polizei. Ab 1969 arbeitete er über drei Jahrzehnte als Fotoreporter für den stern. In dieser Zeit machte er sich vor allem durch teils hochbrisante Dokumentationen aus Kriegsgebieten und anderen Todeszonen dieser Welt einen Namen.
Kretz war in Vietnam, in Nicaragua, Somalia, auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak. Sein Motto "a dead journalist, is a bad journalist", hat ihn dabei am Leben erhalten. Auch wenn es hin und wieder knapp war. So überstanden Kretz und zwei seiner Kollegen eine Explosion in einem Nachtclub in Saigon, bei der 28 Tote und viele Schwerverletzte zu beklagen waren, nur durch Zufall unbeschadet.
Dass er bei aller Objektivität, die sein Berufsstand verlangt, und trotz der vielen menschlichen Abgründe, in die er zwangsläufig blicken musste, nie sein Mitgefühl verloren hat, beweist Kretz' Engagement für Kim Phuc, die Frau, die im Alter von neun Jahren dem Grauen des Vietnam-Krieges ein Gesicht gab, als sie nach einem Napalm-Angriff nackt und schreiend um ihr Leben lief. Kretz besuchte Kim Phuc nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus und brachte sie Anfang der 80er Jahre nach Deutschland, wo das Mädchen noch dreimal in einer Spezialklinik operiert wurde. Die beiden sind bis heute befreundet.