Neugeborene, die in diesem Jahrtausend zur Welt kommen, haben eine fünfzigprozentige Chance, 100 Jahre alt zu werden. Einhundert Jahre. Wie ist das, wenn man so alt wird? Und welche Rolle spielt all das, was landläufig wichtig erscheint, wirklich? Ein Geheimnis des Alters beheimatet Sardinien, jene Insel im westlichen Mittelmeer, auf der sich an der Costa Smeralda im Sommer der internationale Jet-Set die Klinken in die Hände drückt. 1.800 Kilometer beeindruckender Küste umfassen eine Vielzahl von Landschaften – abwechselnd flache Dünen bis hin zu steil aufragenden Gebirgsmassiven. Das Meerwasser leuchtet manchmal azurblau, manchmal türkis, hier und da auch ultramarin. Auf jeden Einwohner Sardiniens kommen etwa zwei Schafe. Das wichtigste Exportgut ist neben dem aus der Milch hergestellten Pecorino-Käse auch die Korkrinde, die überwiegend auf dem italienischen Festland verbraucht wird. Mitten im Herzen der Insel befindet sich eine Region, die trotz zahlreicher Eroberungsversuche noch bis heute in einheimischer Hand ist. Diese Gebirgsregion birgt ein kleines Geheimnis des Altwerdens, auf dessen Spur sich zahlreiche Wissenschaftler in aller Welt begeben haben. Auf Sardinien leben – geburtsurkundlich belegt – weltweit die meisten Menschen gemessen an der Gesamtbevölkerung, die ein vollständiges Jahrhundert erlebten. Grund genug, um die Lebensweise dieser Menschen näher zu betrachten. Cornelius Kalk