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VIEWspotlight Oktober 2008

Stern FOTOGRAFIE

Mario Testino

Text: Jochen Siemens

Man sitzt also Mario Testino gegenüber, der mit starker hispanischer Färbung Englisch spricht und der über viele seiner Bilder sagt: „Ich habe es versucht.“ Ja, selbst seine perfektesten Bilder sind immer erst Versuche, die tausend kleinen Elemente in einem Moment der Vollkommenheit zusammen zu bekommen: das Licht, die Farben, den Schatten, die Schweißperlen, die genau am kleinen Tal der Brüste zu einer silbrigen Pfütze werden, das himmelblaue Kleid, das am braungebrannten Bein hochgerutscht ist, die Hand, die am Bauchnabel nach unten zu wandern scheint, die Hitze, die man scheinbar sehen kann... Testino lernte und lebte sich in die Modewelt hinein, er pendelte zwischen London und Paris und „netzwerkte“, wie man heute sagen würde. Hier ein Foto für die „Vogue“ oder für „Tatler“, dort ein paar Bilder für eine Anzeigenkampagne. Immer war er dabei ein übereuphorischer Testino, der die Küsschen-Küsschen-Sprache der Fashionistas – „you look sooooo greaaaaat!“ – besser beherrschte als Meister wie Patrick Demarchelier oder der knurrige Richard Avendon. 2007 erschien ein opulenter Bildband, den Testino „Let me in“ nannte. Ein Buch, in dem er vorführt, wie sehr er über die Jahre zum Teil der Glamour-Kultur geworden ist. Viele Motive sind Schnappschüsse von Hollywood-Partys, unkontrollierte Aufnahmen, die in diesem Kosmos der Eitelkeiten nur einem gestattet sind: Testino. Dass er selbst heute Abstand von dieser Scheinwelt nimmt, heißt nicht, dass er sie negiert, sondern dass er sie als das sieht, was sie ist: ein Zirkus. Testino durchschaut die Mechanismen, „es gilt: Alle sind jung – nur manche sind eben ein bisschen jünger.“

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Mario Testino

„Ich liebte Kleider und alles, was mit Mode zu tun hatte. Ich wollte Teil dieser Welt sein.“

Mario Testino