Es gibt große Meister der Fotografie, die nicht wissen was ein Pixel ist. Als ich den 78jährigen Lord Snowdon in seinem Haus in Kensington danach fragte, wischte er die Frage gelangweilt aus der Luft. „Weiss ich nicht, interessiert mich nicht“, brummte er. Vor uns auf dem Tisch lag seine erste Kamera aus den 50er Jahren, eine Brownie-Box. Und als Snowdon den braunen Kasten aus lackiertem Leinen und einer Linse in die Hände nahm glitten seine Finger so wissend über das Gehäuse als ob sie dort wohnen würden. stern FOTOGRAFIE präsentiert in seiner neuen Ausgabe das fotografische Werk Lord Snowdons, der zu den wichtigsten Fotografen der englischen Nachkriegsgeschichte gehört.
Aber der Blick auf seine Bilder sollte kein nostalgischer sein, die Snowdon´sche Technik, Gesichter so zu fotografieren, dass sie Geschichten erzählen, ist zeitlos und die Essenz aller Bilder, die uns bewegen. Und für solche Bilder braucht man keine Pixel, SD-Cards oder Verwackelschutz. Von Snowdon lernen wir, dass sowas auch mit einer alten Box geht. Man braucht nur das richtige Auge.
Jochen Siemens
stern Spezial FOTOGRAFIE